IG Metall Jena-Saalfeld und Gera
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13.12.2018, 02:12 Uhr

Ein Schuss in den Ofen - das Azubiticket für Thüringen

  • 20.08.2018
  • Aktuelles, Jugend

Ab dem 1. Oktober 2018 soll in Thüringen das Azubi Ticket gelten. Damit sollen Auszubildende kostengünstig zu den Ausbildungsorten/ Berufsschulen und wieder nach Hause kommen. Dazu unsere Einschätzung als IG Metall Jugend für Gera und Jena-Saalfeld.

Profitieren werden in allererster Linie die Azubis die sowieso schon in gut angebundenen Regionen wohnen und zur ihren Ausbildungsorten gelangen müssen. Der Bereich des Verkehrsverbund Mittelthüringen deckt einfach die Lebens und Ausbildungsrealitäten junger Menschen in der Region Ostthüringen nicht ab. Viele Azubis bleiben vor allem eins: Weiterhin abgehängt.

50€ pro Monat sind viel zu viel Geld für die Auszubildenden in der Region. Nur die wenigsten Azubis in Ostthüringen machen ihre Ausbildung in tarifgebundenen Betrieben. Selbst dort sind 50€ zu viel um ausgebildet zu werden. Das sich die Arbeitgeber überhaupt nicht direkt an der Finanzierung des Tickets beteiligen zeigt wie wichtig den Betrieben die Lösung des Fachkräftemangels in der Region ist. Das wird den Trend der Abwanderung junger Menschen aus der Region nicht aufhalten sondern nur verstärken.

Das Azubi Ticket ist nur durch ein SEPA Lastschrift Verfahren zu beziehen. Ein Abo muss für ganze 12 Monate abgeschlossen werden, Zeiten in denen Auszubildende Urlaub machen wollen oder das Ticket nicht in Anspruch nehmen, müssen trotzdem voll bezahlt werden. Zusätzlich kann eine Bonitätsprüfung der Auszubildenden erfolgen. Voll daneben!

Das Abo muss über ein kompliziertes Antragsformular erst beim Verkehrsverbund beantragt werden, die Berufsschule muss die Berechtigung zur Nutzung des Azubi Ticket gegenzeichnen. Angesichts der Tatsache das bei vielen Auszubildenden in der ersten Wochen und Monaten der Ausbildung ganz andere Dinge wichtig sind als sich durch Anträge zu wälzen und Unterschriften einzuholen ist der Zugang zum Azubi Ticket komplizierter als nötig. Digitalisierung ist auch hier ein Fremdwort für alle Beteiligten.

Das Angebot gilt ab dem 1. Oktober 2018. Regulärer Ausbildungsbeginn für die meisten Auszubildenden in der Region ist im August. Nicht mal pünktlich zum Ausbildungsbeginn startet das durchweg schlechte Angebot der Thüringer Landesregierung an die Auszubildenden in ganz Thüringen.

Dieses Ticket wird den Wettbewerb der Unternehmen um Fachkräfte in der Region zulasten von strukturschwachen Gegenden verschärfen. Die Antwort der Unternehmen wird eben keine Verbesserung der Ausbildungsbedingungen sein, um mehr junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen, sondern vor allem erhöhter Leistungsdruck für die Beschäftigten die die mangelnde Personalplanung und Finanzierungsbereitschaft der Unternehmen ausbaden müssen.

Wenn die Landesregierung in Thüringen nicht in der Lage ist eine kostengünstige Variante für ein Azubi Ticket für alle umzusetzen, müssen wir als Gewerkschaften die Betriebsräte und Jugendvertretungen in der Region eben dabei unterstützen die Sache selber in die Hand zu nehmen. Hier können zumindest Betriebsvereinbarungen zur Fahrkostenübernahme geschlossen werden. Betriebe ohne Mitbestimmung, vor allem die Azubis dort, schauen weiter in die Röhre und vor allem in ein leeres Portmonee.

Wir bleiben dabei: Gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen fallen nicht vom Himmel. Hier kommt es darauf an wie viel Druck die Gewerkschaftsmitglieder im Betrieb erzeugen können um gute Tarifverträge abzuschließen. Je stärker wir als IG Metall in den Betrieben sind, umso mehr können wir die Arbeits- und Ausbildungsbedingungen in der Region gestalten. Deshalb: Rein in die Gewerkschaft!


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